2017 – zwischen Tropensturm und Datenchaos

29. Januar 2018

Die Versicherungsbranche blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2017 zurück: Zahlreiche Naturkatastrophen, darunter Brände, Stürme und Überschwemmungen, verursachten weltweit immense Schäden. Mehrere schwere globale Cyberattacken sorgten zudem für unangenehme Schlagzeilen. 

Einige Regionen hat es 2017 besonders stark getroffen. In Mexiko verursachten gleich zwei verheerende Erdbeben Schäden in Milliardenhöhe. Unternehmen, darunter auch deutsche Automobilhersteller, mussten ihre Produktion zeitweise einstellen.

Die USA litten unter einer besonders schweren Hurrikansaison. Vor allem Hurrikan „Harvey“, der in Texas wütete, zog die dortige Industrie stark in Mitleidenschaft, insbesondere die Öl- und Gasindustrie verzeichneten schwere Schäden. In Puerto Rico sorgte „Maria“ für die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte des US-Außengebiets, 97 Prozent der Stromversorgung lagen zeitweise brach. Die Produktion in zahlreichen industriellen Fertigungsstätten kam zum Erliegen, Experten sprechen von wirtschaftlichen Einbußen im Milliardenbereich.

Europa zwischen Rekordhitze und Rekordgewittern

Unterdessen war das Wetter in Europa in den Sommermonaten von starken Niederschlägen im Norden und extremer Dürre im Süden geprägt. Portugal verzeichnete in dieser Trockenperiode die schlimmsten Brände seit 50 Jahren; die Feuer zerstörten mehr als 400.000 Hektar Land und veranlassten unter anderem einen französischen Automobilhersteller, sein Werk zu räumen.

Deutschland wurde beinahe von der gesamten meteorologischen Schadensklaviatur heimgesucht: Stürme, Hagel, Starkregen und Spätfrost führten nicht nur zu Schäden an der Infrastruktur und Ernteausfällen, sondern auch zu Produktionsausfällen. Der Orkan „Axel“ sorgte Anfang des Jahres vor allem im Norden der Republik für Chaos: Es kam zu einer Sturmflut und Hochwasser, Teile der Küsteninfrastruktur wurden schwer beschädigt. Süddeutschland war währenddessen von starken Schneefällen betroffen. Ebenfalls im Süden verursachte die Kaltfront „Kolle“ im August vor allem in der Land- und Forstwirtschaft schwere Schäden: Mehr als zwei Millionen Kubikmeter Holz fällte Kolle in Bayerns Wäldern, Tausende Waldbesitzer beantragten finanzielle Unterstützung für die Aufräumarbeiten. Sturm und Hagel hinterließen auch auf Mais- und Zuckerrübenfeldern eine Schneise der Verwüstung, zahlreiche Gebäude wurden beschädigt.

Doch nicht nur meteorologisch war 2017 ein unruhiges Jahr: Zahlreiche Cyberattacken sorgten auch digital für unruhige Zeiten. So gab es gleich mehrere schwerwiegende Angriffe mit Erpressungstrojanern, sogenannter Ransomware, die teilweise Dutzende Unternehmen lahmlegten. Der verheerendste unter ihnen war wohl „WannaCry“: ein global eingesetzter Virus, dessen Attacken sich in mehr als 150 Ländern vor allem auf kritische Infrastruktur konzentrierten. So musste ein Autobauer in Frankreich seine Produktion gleich an mehreren Standorten vorübergehend einstellen, um die Ausbreitung der Schadsoftware zu verhindern.

Bereits sechs Wochen später attackierte „Petya“ die digitale Welt: Als herkömmliche Ransomware getarnt diente der Virus vornehmlich dazu, Chaos zu stiften und Daten zu zerstören. Betroffen waren Unternehmen weltweit, darunter eine große Reederei und die Strahlenmessung des havarierten AKW Tschernobyl.


Autor: Csanad Malina, Business Development Executive bei FM Global

Durch Ransomware entstehen jedes Jahr beträchtliche Schäden; dabei machen interessanterweise die Lösegelder einen eher geringen Anteil aus. Vor allem Betriebsunterbrechungen sorgen für große Einbußen auf Seiten der Unternehmen.

In Anbetracht dieser Erfahrungen wird sich ein aktives Risikomanagement also auch in 2018 mit den spezifischen, globalen Risiken für das eigene Unternehmen beschäftigen müssen. Und wie man sieht nicht nur in abgelegenen Ländern, sondern auch direkt vor unseren Haustüren hier in Europa! 
 

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