Digitale Risiken für die Automobilindustrie

19. April 2018

Wie in vielen anderen Branchen verbreitet das Thema Digitalisierung auch in der Automotive-Industrie eine grundsätzlich positive Erwartungshaltung. Laut einer aktuellen Umfrage von PwC Strategy&Automotive unter 200 Führungskräften aus der Automobilbranche werden sich positive Effekte im Hinblick auf Effizienz und Innovationen vor allem in den Bereichen Produktion (51 Prozent), Forschung & Entwicklung (48 Prozent) sowie IT (40 Prozent) bemerkbar machen.

Wenn Just-in-Time aus dem Takt gerät
Doch wo Chancen entstehen, ergibt sich meist auch das eine oder andere Risiko für das Geschäft. Durch die zunehmende Vernetzung von Prozessen zwischen der Produktion, dem Zuliefererbereich bzw. der Logistik sowie den Autohäusern als Absatzort muss viel stärker auf die Absicherung gegen Cyberattacken geachtet werden als noch vor ein paar Jahren. So kann sich die Errungenschaft der Just-in-Time-Produktion bzw. -Logistik schnell gegen den Nutzer wenden, sobald sie von einer dritten Partei – vulgo einem Hacker – korrumpiert wird. Wenn die Kommunikation gestört ist, Rohstoffbestellungen nicht übermittelt werden, Vorprodukte die Fertigung nicht erreichen und Informationen mit den Absatzstellen nicht korrekt ausgetauscht werden, kommt das fein austarierte System der gesamten Branche aus dem Gleichgewicht. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Attackierende von außerhalb kommt oder dem Unternehmen selbst entstammt. Industriespione, Wettbewerber und auch politisch motivierte "Hacktivisten" bekommen durch die Digitalisierung neue Optionen für ihr negatives Tun.

Zum Heulen: WannaCry schockt Fahrzeughersteller
Auch durch das Aufkommen des Internet of Things (IoT) werden Cyberattacken zunehmend zu einem Risiko. Denn rund die Hälfte der deutschen produzierenden Unternehmen nutzen laut einer Bitkom-Studie bereits Industrie 4.0-Technologien. Die Schäden, die Cyberattacken hier anrichten können, beschränken sich schon längst nicht mehr nur auf Computer. Die Ransomware „WannaCry“ sorgte im Mai 2017 für zahlreiche Störungen, darunter in mehreren Produktionsstätten eines japanischen und eines französischen Fahrzeugherstellers. All diese Szenarien können in Firmen schwere Schäden verursachen. Der Wert der verlorengegangenen Daten (also die Summe, die investiert werden muss, um die Daten wiederzubeschaffen) ist nur einer von mehreren Risikofaktoren, gegen die Unternehmen sich wappnen müssen. Anlagen können beispielsweise durch mutwillige Überspannung durch Hacker beschädigt oder sogar zerstört werden. Vor allem schwere Attacken, die das Geschäft zum Stillstand kommen lassen, sind jedoch ein Risiko: Verluste, die durch daraus resultierende Betriebsausfälle entstehen, steigen schnell in Millionenhöhe.


Autor: Csanad Malina, Business Development Executive bei FM Global

Vorsicht ist besser als Nachsicht
Ein beträchtlicher Teil der Angriffe erfolgt über eine bestehende Sicherheitslücke, die häufig erst durch die Attacke publik wird. Hinzu kommt der „Risikofaktor Mensch“: Nicht ausreichend kontrollierter Zugang zu Serverräumen oder die Verwendung eines fremden USB-Sticks können in einem Unternehmen bereits erhebliche Schäden verursachen. Laut Bundesinnenministerium werden rund die Hälfte der Angriffe durch Mitarbeiter initiiert, die etwa unbedacht auf einen Link oder E-Mailanhang klicken. Daher ist es wichtig, im Unternehmen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie sich Risiken durch Prävention am besten minimieren lassen. Denn ein großer Teil der Schäden durch Cyberangriffe lässt sich durch angemessene Sicherheitsmaßnahmen vermeiden. Zudem ist es grundsätzlich leichter, Schäden vorzubeugen, als sich von ihnen zu erholen. Das Ziel der Engineering- und Underwriting-Einheit von FM Global ist es, Cyberangriffe und die aus Cyberattacken entstandenen Schäden zu analysieren, um daraus Präventionskonzepte zu entwickeln.

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