"Just-in-Time": Eine logistische Herausforderung für Zulieferer

5. April 2017

In der Automobilindustrie hat sich das „Just-in-Time“-Konzept fest etabliert. Doch bei punktgenauen Lieferungen steigt das Risiko, dass Aufträge bei einer noch so kleinen Panne nicht mehr pünktlich zu erledigen sind. Drohende Vertragsstrafen sind die Folge.

Für Zulieferer bedeuten „Just-in-Time“-Lieferungen einen immensen Zuwachs an Logistikanforderungen. Der eigene Produktions- und Lieferrhythmus muss mit den Rhythmen der Abnehmer synchronisiert werden. Aber auf dem Weg vom Rohstoff über die Weiterverarbeitung in den Produktionsstätten der Zulieferer bis hin zur Übergabe an den Abnehmer können verschiedene Hindernisse auftreten: Fehler oder Erkrankung von Mitarbeitern, defekte Werkzeuge, Maschinenprobleme oder aber auch Feuer und Elementarschäden.

Risiken „höherer Gewalt“ beachten

Die genannten Probleme werden der Mehrheit der deutschen Zulieferer vermutlich durch eigene Erfahrungen bekannt sein. Maßnahmen, um einen teuren Produktionsstillstand für beide Seiten zu verhindern, werden sicherlich in den einzelnen Betrieben existieren. Komplizierter wird es jedoch bei der Handhabung von Ereignissen, auf die ein Zulieferer keinen Einfluss hat, wie zum Beispiel Staus aufgrund von Grenzkontrollen, verursacht durch politische Beschlüsse.

Ferner müssen auch in einem so „sicheren“ Land wie Deutschland Auswirkungen von Epidemien, Pandemien und internationalen Naturkatastrophen in der Planung berücksichtigt werden. Die Aktivitäten des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010 waren nicht nur den deutschen Medien, sondern auch der deutschen Wirtschaft bekannt. Denn aufgrund der ausgetretenen Asche wurde der Flugverkehr in weiten Teilen Europas für mehrere Tage eingestellt. Durch diese Lieferkettenunterbrechung fehlten wichtige Bauteile – in der deutschen Automobilindustrie kam es zwangsweise zum Produktionsstopp.


Autor: Csanad Malina, Business Development Executive bei FM Global

Grenz- und Luftraumschließungen sowie Import- und Exportverbote können auch das Ergebnis zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung eines Virus sein. Der Ebola-Ausbruch, der 2014 die Wirtschaft Westafrikas lähmte, sorgte auch dafür, dass internationale Unternehmen ihre Mitarbeiter evakuierten.

„Just-in-Time“-Lieferungen bedeuten für die betroffenen Zulieferer nicht nur eine enge Beziehung zu ihren Abnehmern, sondern eben auch eine Zunahme der Gefahr einer Lieferkettenunterbrechung. Gibt es Alternativen, wenn eine Rohstoffquelle ausfällt? Stehen unterschiedliche Transportwege zur Verfügung? Ist eine ausreichende Lagerfläche vorhanden? Sind die Produktionsteile und Maschinen stets ausreichend vor Schaden geschützt? In welchen Abständen werden Mitarbeiter über mögliche Gefahren aufgeklärt und Maschinen gewartet? Dies sind nur einige Fragen, die geklärt werden müssen, wenn es um die Erkennung von Gefahren einer Betriebsunterbrechung geht. Bei einer intensiven Auseinandersetzung ist jedoch festzustellen, dass sich ein Großteil durch Präventionen verhindern oder wenigstens minimieren lässt. Die Basis dafür ist eine ganzheitliche Betrachtung entsprechender Risiken und die Beratung durch einen erfahrenen Partner.

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