Wenn Industrien die Lichter ausgehen

22. März 2017

Der Bedarf an Aluminium steigt – jährlich. Bei vielen Entwicklungen und Anwendungen wird ein leichter, aber trotzdem robuster und stabiler Werkstoff benötigt. Somit ist das silberne Metall aus den Bereichen Verpackungen, Baumaterialien, Maschinen- und Anlagenbau nicht mehr wegzudenken. Dies gilt auch für die Automobilbranche: Je mehr Aluminium für die Autokonstruktion genutzt wird, desto geringer ist der Benzinverbrauch für den Endverbraucher – und bei einem Elektroauto sorgen leichtere Materialien für eine höhere Reichweite bei gleicher Batteriegröße.

Das beliebte Allzweck-Material hat auch einen teuren Nachteil: Neben Chemieunternehmen, Stahlbetrieben und Zementherstellern gehören die Aluminiumproduzenten zu den „Energiefressern“ der Industrielandschaft. Allein bei der Herstellung von einer Tonne Primäraluminium werden im Durchschnitt rund 15 Megawatt-Stunden Strom benötigt – eine Menge, die ein Zwei-Personen-Haushalt innerhalb von fünf Jahren verbraucht.

Der hohe Energiebedarf sowie ein wachsendes Umweltbewusstsein sorgen verstärkt dafür, dass erneuerbare Energien auf dem Vormarsch sind. Ebenfalls wird bei der Umsetzung die Unstetigkeit von regenerativen Energien beachtet. So wurde zum Beispiel in Deutschland die „virtuelle Batterie“ entwickelt, wobei die Stromversorgung der Elektrolyseöfen flexibilisiert wird.

Bewusstsein für Risiken schärfen

Konzepte, die der Nutzung und den Schwierigkeiten erneuerbarer Energien gerecht werden, existieren also. Aber gibt es im Zeitalter der zunehmenden Hackerangriffe in den Unternehmen auch Konzepte für den Blackout? Im Dezember 2015 wurden an mehrere Mitarbeiter eines regionalen Energieversorgers in der Ukraine gefälschte Emails mit Malware geschickt. Hacker gelangten so in das Steuerungssystem des Energiekonzerns und 700.000 Menschen im Südwesten der Ukraine waren vom Stromnetz abgeschnitten. Ein Szenario, das auch in Deutschland laut Aussagen von Angehörigen der Bundesregierung und Mitgliedern des „Chaos Computer Clubs“ Realität werden kann.


Autor: Oliver Aßmuth, Senior Business Development Executive bei FM Global

Auf der Prioritätenliste eines jeden Unternehmens sollte daher die regelmäßige Sensibilisierung der Mitarbeiter für sämtliche Gefahren ganz weit oben stehen. Denn ein Stromausfall in der Aluminiumindustrie führt im Ernstfall zur Zerstörung der Elektrolysezellen. Neben Anlagenschäden muss auch mit der Beschädigung oder sogar dem Verlust von Daten gerechnet werden.

Unternehmen, für die ein Stromausfall – auch wenn er nur wenige Sekunden dauert – immense Produktionsausfälle und hohe finanzielle Verluste bedeutet, müssen sich des erhöhten Risikopotenzials durch Cyberattacken bewusst werden und in ihrem Risikomanagement ausreichend berücksichtigen. Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den möglichen Risiken wird festzustellen sein, dass der Großteil der Schäden minimiert werden kann oder sogar vermeidbar ist.

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